Das Osterwochenende

Das Osterwochenende, nicht nur in Höchstädt

Es war sehr früh am Morgen und der Sonnenaufgang noch in weiter Ferne.  Das Holzfeuer in der Feuerschale konnte den Platz auf dem Friedhof kaum erhellen. Etwa siebzig Menschen hatten sich hier um das große Holzkreuz versammelt. Sie standen je Familie und Hausstand in Gruppen mit großem Abstand zu ihren Nachbarn. Neben dem Kreuz stand die Pfarrerin mit ihren Begleiterinnen. Sie zitierte aus dem Matthäusevangelium und verkündete die Botschaft: „Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ Es war Pfarrerin Ivena Ach, die zu ihrer Gemeinde in Höchstädt an der Donau sprach. Sie alle hatten sich am Ostersonntag morgens um halb sechs auf dem Friedhof versammelt. Sie begannen dort ihren Gottesdienst in der Osternacht, um nachzufühlen, wie es wohl vor 2000 Jahren den Frauen am leeren Grab Jesus gegangen sein mag.

Eigene Sünden und große Verantwortung

Doch auch für die evangelische Gemeinde in Höchstädt begann Ostern nicht erst am Sonntagmorgen, sondern bereits am Donnerstagabend zuvor, dem Gründonnerstag. Pfarrer Manuel Kleiner hielt in diesem Jahr den Beichtgottesdienst in der Anna-Kirche an jenem Abend: „Grün stammt von dem alten Wort greinen ab, was weinen bedeutet“, erklärte er der Gemeinde den Ursprung des Namens. An diesem Abend vor 2000 Jahren hat Jesus zum letzten Mal mit seinen Jüngern gemeinsam gegessen. Es war ihr letztes gemeinsames Abendmahl. In dieser Nacht wurde Jesus verraten und seinen Peinigern übergeben. Die christlichen Gemeinden feiern bis heute das heilige Abendmahl, nicht nur um ihm zu gedenken, sondern um Jesus nahe zu sein. „Wer an diesem Abend in die Kirche geht, muss tapfer sein“, stimmte Pfarrer Kleiner seine Gemeinde auf den Beichtgottesdienst ein. Wie der Name vermuten lässt, geht es darum, sich seine eigenen Sünden einzugestehen und im Stillen vor Gott zu bekennen. Aus den Worten, die Jesus zu Petrus gesprochen hatte, leitet er die große Verantwortung ab, die Petrus und alle Gläubigen auf Erden haben: „Was Du auf Erden vergibst, soll auch vor Gott vergeben sein. Und was Du nicht vergibst, soll auch vor Gott nicht vergeben sein.“

Karfreitag – ein schwarzer Freitag

Während der Gründonnerstag nichts mit einer Farbe zu tun hat, bezieht sich das alte Wort Kar auf die Farbe Schwarz. Der Karfreitag ist ein schwarzer Freitag. Die ganze Karwoche ist eine schwarze Woche. Pfarrer Wolfram Schrimpf hielt den Karfreitagsgottesdienst in der Anna-Kirche – einmal vormittags, einmal nachmittags. So hatten alle Gläubigen die Möglichkeit teilzunehmen und genügend Abstand zu den anderen Besuchern einzuhalten. Vor 2000 Jahren hatte Pilatus Jesus verurteilt. Jesus musste sein Kreuz selbst tragen, wurde von seinen Peinigern verspottet und gekreuzigt. Pfarrer Schrimpf ließ seine Gemeinde diesen Tag nachempfinden. Er zitierte aus dem Johannesevangelium: „Gott liebt die Menschen so sehr, dass er seinen einzigen Sohn für sie gegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht vernichtet wird, sondern ewiges Leben hat.“ In seiner Predigt erklärt er wie das gelingt: „Um die Menschen von ihren Sünden zu befreien hat er, der ohne Sünde ist, alle Schuld auf sich genommen“ und musste dafür am Kreuz sterben. Am Ende erloschen die Lichter in der Anna-Kirche. Pfarrer Schrimpf räumte den Altar leer. Er trug die Kerzen, die Bibel und das Altartuch hinaus. Es war keine Orgelmusik zu hören. Es läuteten keine Glocken.

Am dritten Tag

Aus dem Glaubensbekenntnis ist es bekannt: Am dritten Tage auferstanden von den Toten. Hier knüpft die Osternacht an. Als vor 2000 Jahren Frauen das Grab leer vorfanden kam ein Engel vom Himmel herab und verkündete ihnen, dass Jesus auferstanden ist. Die Frauen gingen weg und verkündeten es mit großer Freude. Später erschien ihnen Jesus selbst. Auch er wies sie an, von seiner Auferstehung zu berichten. Genauso wie vor 2000 Jahren waren es auch in Höchstädt Frauen, die als erstes von der Auferstehung Jesus berichteten. Pfarrerin Ivena Ach erklärte es im Beisein ihrer Begleiterinnen mit den Worten: „Der Herr ist auferstanden.“ Die Frauen entzündeten ihre Fackeln an der Feuerschale und verließen mit der Gemeinde den Friedhof. Sie alle liefen in einer Prozession zum Stadtpark in Höchstädt. Die Fackeln leuchteten ihnen in der Dunkelheit den Weg. Pfarrerin Ach gab ihrer Gemeinde den Auftrag es ihr gleich zu tun und von der Auferstehung Jesus zu berichten: „Mache Dich auf und werde Licht, denn Dein Licht kommt.“

Als die Prozession im Stadtpark ankam, war ein Gottesdienst beim Pavillon vorbereitet. Auch hier brannte ein Holzfeuer in einer Feuerschale. Bereits nach kurzer Zeit war es nicht mehr nötig, denn die Sonne ging am Horizont auf. Gemeinsam feierten sie das heilige Abendmahl. Zum Ende der Osternacht segnete Pfarrerin Ivena Ach alle Anwesenden und wiederholte die Botschaft: „Der Herr ist auferstanden.“